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Impressum

Baden-Württemberg Stiftung gGmbH
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Vertretungsberechtigte Geschäftsführung: Christoph Dahl (Geschäftsführer), Rudi Beer, Dr. Andreas Weber, Birgit Pfitzenmaier (Prokuristen)
Gesellschafter: Land Baden-Württemberg
Handelsregistereintrag: Amtsgericht Stuttgart HRB 10775

Ein Schwerpunktthema im Programm ist die Förderung der körperlichen Aktivität. Als Richtlinie wird für Kinder ein Mindestmaß von täglich 60 Minuten Aktivität empfohlen, in denen sie zumindest zu schwitzen beginnen und/ oder außer Atem kommen. Knapp 30% der Kinder erreichen dieses Maß immerhin an über 3 Tagen in der Woche. Ca. 4% schaffen es tatsächlich jeden Tag in der Woche. Im Verlauf des Studienjahres konnte hier eine tendenzielle Steigerung in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Wartegruppe erzielt werden.

Diese Tendenz war bei den Jungen etwas deutlicher zu sehen als bei den Mädchen. Die Wartegruppe neigte hingegen eher zu einer gleichbleibenden Aktivität.

Abbildung 1: Prozentanteil der Kinder, die sich mindestens vier Tage in der Woche über 60 Minuten ausreichend körperlich aktiv betätigen (nach Elternangaben); getrennt nach Jungen (links) und Mädchen (rechts)

Ähnlich sehen die Ergebnisse bei der Frage nach einem aktiven Schulweg aus („Kommt Ihr Kind zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Roller in die Schule?“). Zwei Drittel der Kinder tun dies an den meisten Tagen der Woche (mehr als 3 Tage pro Woche).

Im Verlauf des Studienjahres nahm der Anteil leicht zu, jedoch gleichermaßen in Interventions- als auch Wartegruppe,was möglicherweise am zunehmendem Alter und einem sichereren Zurechtkommen im Straßenverkehr liegt.

Abbildung 2: Prozentanteil der Kinder, die an minde stens 3 Tagen in der Woche zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Roller zur Schule kommen (Elternangaben).

Des Weiteren wird im Gesunden Boot im Ernährungsbereich auf die Reduktion des Konsums zuckerhaltiger Getränke besonderen Wert gelegt.

Im Rahmen der Studie wurden daher zu beiden Messzeitpunkten die Eltern nach dem Trinkverhalten ihrer Kinder befragt. Knapp ein Viertel der Eltern gab bei der ersten Messung an, dass ihr Kind mehr als einmal wöchentlich gesüßte Getränke zu sich nimmt. Nach Durchführung der Intervention konnte eine leichte Reduktion in beiden Gruppen (Interventions- und Wartegruppe) festgestellt werden.

Die Eltern wurden auch nach dem Frühstücksverhalten ihrer Kinder gefragt. Vor der Intervention gingen knapp 12% der Kinder ohne Frühstück zur Schule.

Im Folgejahr sind die Zahlen ähnlich. Statistisch signifikante Unterschiede zwischen Warte- und Interventionsgruppe lassen sich hier bei den älteren Schulkindern (Klassenstufe 2) finden: während der Anteil der „Nicht-Frühstücker“ in der Wartegruppe im Laufe eines Schuljahres zwischen Vor- und Nachuntersuchung zugenommen hat, ist er in der Interventionsgruppe gleichgeblieben, was im Hinblick auf ein gesundes Ernährungsverhalten als positiv zu werten ist. Bei den jüngeren Kindern (Klassenstufe 1) treten diese Unterschiede noch nicht zutage.

Abbildung 3: Prozentanteil der Kinder, die mehr als einmal wöchentlich zuckerhaltige Getränke zu sich nehmen (Elternangaben).
Abbildung 4: Prozentanteil der Kinder, die kein Frühstück vor der Schule zu sich nehmen (Elternangaben).
Abbildung 5: Prozentanteil der Kinder, die kein Frühstück vor der Schule zu sich nehmen (Elternangaben), in der Eingangs-Klassenstufe 1 (links) und 2 (rechts).

Ein Interventionsschwerpunkt liegt auf der aktiven Freizeitgestaltung und damit auf der Förderung der körperlichen Aktivität bzw. einer Reduktion des Medienkonsums. In der Gesamtstichprobe wurden die körperliche Aktivität und das Medienverhalten der Kinder mittels Elternfragebogen erhoben.

Im Programm Komm mit in das gesunde Boot werden mit den Kindern Handlungsalternativen für eine aktive Freizeitgestaltung erarbeitet damit sie sich nachmittags bzw. am Wochenende nicht ausschließlich mit Bildschirmmedien beschäftigen.

In der Baden-Württemberg Studie sahen ca. 13% der Kinder zum ersten Messzeitpunkt mehr als eine Stunde pro Tag fern. Im Verlauf eines Schuljahres nahm in der Interventionsgruppe der Anteil der Kinder, die mehr als eine Stunde pro Tag fernsehen leicht ab, während er in der Wartekontrollgruppe leicht zunahm. Diese Unterschiede zeigten sich insbesondere bei den Mädchen und bei Kindern, deren Eltern dem primären und sekundären Bildungslevel angehören (ohne Hochschulabschluss), und konnten hier auch statistisch bestätigt werden.

Abbildung 6: Prozentanteil der Kinder, die täglich mehr als eine Stunde fernsehen (Elternangaben)
Abbildung 7: Prozentanteil der Kinder, die täglich mehr als eine Stunde fernsehen (Elternangaben); getrennt nach Jungen (links) und Mädchen (rechts).
Abbildung 8: Prozentanteil der Kinder, deren Medienkonsum mehr als eine Stunde täglich beträgt – für Kinder mit Eltern ohne Hochschulabschluss (Elternangaben).

Mithilfe des standardisierten und validierten Dordel-Koch-Test (DKT) (Dordel & Koch, 2004) wurden drei Aspekte der motorischen Fähigkeiten gemessen: die energetisch determinierte (konditionelle) und die informationsorientierte (koordinative) Fähigkeiten sowie die Beweglichkeit (Bös & Mechling, 1983). Wobei letzteres nicht direkt als motorische Fähigkeit betrachtet werden kann, sondern vielmehr als wichtige Voraussetzung der motorischen Leistungsfähigkeit (Bös & Mechling, 1983).

Die Ergebnisse der Baden-Württemberg Studie zeigen, dass die Kinder der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe eine signifikante Verbesserung in den energetisch determinierte (konditionelle) Fähigkeiten aufweisen sowie einen geringeren Rückgang der Beweglichkeit (Lämmle et al., 2016). Zudem konnte für die Mädchen der Interventionsgruppe eine Verbesserung der Beweglichkeit festgestellt werden (Lämmle et al., 2016). In der unten stehenden Tabelle sind die durchgeführten sportmotorischen Tests des DKTs und die T2-T1 Unterschiede aufgeführt.

Zusätzlich wurde als Vergleichsmaß zwischen der Interventions- und der Wartegruppe die Differenz zwischen der Leistung zur Folgemessung und der Leistung zur Eingangsuntersuchung, also die Steigerung während des Studienjahrs, einzeln bewertet. In der Interventionsgruppe nahm die Ausdauerleistungsfähigkeit signifikant zu im Vergleich zur Wartekontrollgruppe

Tabelle 1: Signifikante Interventionseffekte bei Grundschulkindern (T2-T1 Differenzen)
Abbildung 9: Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit von Eingangs- bis Folgeuntersuchung in Metern (6-Minuteb-Lauf); für die Gesamtgruppe sowie getrennt die Eingangs-Klassenstufen 1 bzw. 2.

Bei der Entwicklung der Körperkomposition konnte zwischen der Interventions- und der Wartekontrollgruppe kein signifikanter Unterschied festgestellt werden. Während die Wartekontrollgruppe bereits bei der Eingangsmessung eine geringere Anzahl übergewichtiger und adipöser Kinder aufwies (10,4% vs. 9,7%; auf Basis des BMI), ist die Entwicklung zwischen Eingangs- und Folgeerhebung bei beiden Gruppen gleich: In beiden Gruppen gab es altersgemäß eine leichte Zunahme der Übergewichts- bzw. Adipositasrate.

Abbildung 10: Häufigkeiten von Untergewicht, Normalgewicht, Übergewicht und Adipositas in Kontroll- und Interventionsgruppe zum Zeitpunkt der Eingangs- und Folgeuntersuchung

Bei dem Gesundheitsförderprogramm Komm mit in das gesunde Boot handelt es sich um einen niedrigschwelligen Ansatz, der mit klaren, gut verständlichen Botschaften und ohne zusätzliches Fachpersonal bzw. ohne zusätzliche Unterrichtszeit gesundheitsbezogene Inhalte in den Erziehungs- und Schulalltag integriert.

In einer wissenschaftlichen Studie (Baden-Württemberg Studie) wurden die Auswirkungen des Programms auf verschiedene Gesundheitsbereiche untersucht. Veränderungen im Gesundheitsverhalten der Kinder (Bewegungsverhalten, Ernährungsverhalten, Freizeit-verhalten) wurden über die Eltern erfragt.

Knapp über 80% der Eltern, die an der Studie teilnahmen, gaben hierüber per Fragebogen Auskunft. Die Eltern gaben einen leichten Rückgang des Fernsehkonsums vor allem bei den Mädchen, ein verbessertes Frühstücksverhalten (weniger Kinder, die nicht frühstücken) vor allem bei den Zweitklässlern und eine Tendenz zu mehr körperlicher Aktivität vor allem bei den Jungen an.

Weitere positive Entwicklungen wie weniger gesüßte Getränke und ein bewegungsreicherer Schulweg zeigten sich auch in Klassen, die das Programm noch nicht durchführten. Die Häufigkeit von Übergewicht unterschied sich nach einem Jahr nicht von der Wartegruppe, dagegen wurde die Ausdauerleistungsfähigkeit gesteigert.

Die oftmals auch positiven Veränderungen in der Wartegruppe sind vermutlich teilweise auf die Vielzahl weiterer Programme zur Gesundheitsförderung, die in vielen Klassen parallel durchgeführt wurden, zurückzuführen und ein zunehmendes Bewusstsein für die Thematik deutlich machen.

Ein Umdenken auf gesellschaftlicher Ebene sowie Einstellungs- und Verhaltensänderungen auf individueller Ebene sind die ersten Schritte, damit auf lange Sicht auch positive körperliche Veränderungen sichtbar werden. Zu berücksichtigen gilt, dass die Datenauswertung ein laufender Prozess ist und geringfügige Abweichungen bis zur Fachpublikation möglich sind.