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Impressum

Baden-Württemberg Stiftung gGmbH
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Vertretungsberechtigte Geschäftsführung: Christoph Dahl (Geschäftsführer), Rudi Beer, Dr. Andreas Weber, Birgit Pfitzenmaier (Prokuristen)
Gesellschafter: Land Baden-Württemberg
Handelsregistereintrag: Amtsgericht Stuttgart HRB 10775

 

Regelmäßige Bewegung ist wichtig für die gesunde Entwicklung und die Gesunderhaltung der Kinder. Kinder im Grundschulalter sollen sich täglich mindestens 90 Minuten bewegen, davon mindestens eine Stunde pro Tag in moderater bis intensiver Intensität (so, dass sie zu schwitzen beginnen; WHO, 2020).

Das Programm Komm mit in das gesunde Boot hat zum Ziel die (Alltags-)Bewegung der Kinder zu steigern und fragte die Eltern nach dem Bewegungsverhalten ihrer Kinder.

Knapp 30% der Kinder erreichen eine Stunde körperliche Aktivität immerhin an über drei Tagen pro Woche. Ca. 4% waren jeden Tag pro Woche so aktiv, wie empfohlen.

Im Verlauf des Studienjahres bewegten sich die Kinder, die am Programm teilnahmen, im Vergleich zu den Kindern in Regelschulen tendenziell mehr. Diese Tendenz ist bei Jungen etwas deutlicher zu sehen als bei Mädchen.

 

 

Abbildung 1: Anteil der Kinder, die nach Angaben der Eltern 60 Minuten körperliche Aktivität am Tag erreichen

 

Aktiver Schulweg

Ein aktiver Schulweg bietet Kindern eine gute Gelegenheit um sich zu bewegen. Dennoch nutzen immer mehr Kinder motorisierte Verkehrsmittel, um zur Schule zu fahren.

Das Programm Komm mit in das gesunde Boot nutzt den aktiven Schulweg als ein Mittel um die (Alltags-)Bewegung der Kinder zu steigern und fragte die Eltern nach dem Bewegungsverhalten ihrer Kinder auf dem Schulweg („Kommt Ihr Kind zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Roller in die Schule?“).

Zwei Drittel der Kinder kommen an den meisten Tagen der Woche (mehr als 3 Tage pro Woche) aktiv zur Schule (zu Fuß/mit dem Roller/mit dem Fahrrad). Im Verlauf des Studienjahres nahm der Anteil leicht zu – bei allen Kinder, die, die am Programm teilnahmen und die die Regelschulen besuchten. Das liegt möglicherweise am zunehmendem Alter und einem sichereren Zurechtkommen im Straßenverkehr.

Abbildung 2: Anteil der Kinder, die an mindestens 4 Tagen pro Woche aktiv zur Schule kommen (Elternangaben).

Gute motorische Fähigkeiten (insbesondere eine gute Ausdauerleistungsfähigkeit) sind Grundvoraussetzungen für eine gute Gesundheit und eine höhere Lebenserwartung im Erwachsenenalter.

Um die Ausdauerleistung zu messen, umrunden die Kinder einen abgesteckten Bereich innerhalb von sechs Minuten so oft sie können. Die zurückgelegten Meter innerhalb dieser sechs Minuten geben Aufschluss über die Ausdauerleistung.

Nach einem Jahr zeigte sich, dass die Kinder, die an Komm mit in das gesunde Boot teilnahmen, 70,5 Meter mehr in sechs Minuten zurücklegten als im Vorjahr, die Kinder in den regulären Schulen aber nur 58,9 Meter.

Die Kinder, die am Programm teilnahmen, haben nach einem Jahr eine höhere Ausdauerleistungsfähigkeit, als die Kinder in den Regelschulen.

Abbildung 3: Veränderung in der zurückgelegten Strecke beim 6-Minuten-Lauf; getrennt nach Klasse 1 und 2

 

Zuckerhaltige Getränke

Ein Aspekt, den das Programm Komm mit in das gesunde Boot versucht zu verändern, ist der Konsum zuckerhaltiger Getränke. Dieser kann nicht nur Karies auslösen, sondern auch zu einer ungewollten Gewichtszunahme führen. Ein regelmäßiger Konsum zuckerhaltiger Getränke ist für etwa ein Fünftel des Risikos für Übergewicht bei Kindern verantwortlich.

Mittels eines Fragebogens beantworteten die Eltern der teilnehmenden Kinder wie oft diese gesüßte und ungesüßte Getränke zu sich nehmen.

 

Vor der Durchführung des Programms tranken knapp ein Viertel der Kinder mehr als einmal wöchentlich gesüßte Getränke. Nach einem Jahr reduzierte sich dieser Anteil in Regelschulen und in der Gruppe, die an Komm mit in das gesunde Boot teilnahmen, leicht.

 

 

Abbildung 4: Anteil der Kinder, die mehr als einmal wöchentlich zuckerhaltige Getränke zu sich nehmen (Elternangaben)

Frühstück

Ein regelmäßiges Frühstück ist wichtig für Kinder und ist mit einem geringeren Risiko für Übergewicht verbunden. Kinder, die regelmäßig frühstücken haben eine bessere Nährstoffversorgung, wohingegen Kinder, die nicht frühstücken, sich oft auch weniger bewegen, mehr Kalorien zu sich nehmen und weniger gute Schulleistungen erbringen.

Daher hat das Programm Komm mit in das gesunde Boot zum Ziel Kinder zu einem regelmäßigen Frühstück zu bewegen und fragte die Eltern nach dem Frühstücksverhalten ihrer Kinder.

Vor der Durchführung des Programms kamen knapp 12% der Kinder ohne Frühstück zur Schule.

Nach einem Jahr gab es in Klasse 2 der Gruppe der Kinder in Regelschulen deutlich mehr Kinder, die weiterhin nicht frühstückten, als im Jahr zuvor. In 2. Klasse der Gruppe der Kinder, die an Komm mit in das gesunde Boot teilnahmen, blieb der Anteil aber gleich. Dies ist im Hinblick auf ein gesundes Ernährungsverhalten als positiv zu werten.

Abbildung 5: Anteil der Kinder, die kein Frühstück vor der Schule zu sich nehmen (Elternangaben), in der Eingangs-Klassenstufe 1 (links) und 2 (rechts).

 

Bildschirmmedienkonsum

Komm mit in das gesunde Boot will eine aktive Freizeitgestaltung möglichst ohne Bildschirmmedien erzielen. In Deutschland haben rund 70 % der Kinder regelmäßigen Zugang zum Smartphone eines Elternteils und nutzen diese im Durchschnitt mehr als eine halbe Stunde täglich. Folgen eines erhöhten Bildschirmmedienkonsums können Sprachentwicklungsstörungen, Hyperaktivität, Einschlafprobleme und ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Übergewicht sein.

Im Programm Komm mit in das gesunde Boot werden mit den Kindern Handlungsalternativen für eine aktive Freizeitgestaltung erarbeitet, damit sie sich nachmittags und am Wochenende Bildschirmmedien meiden und lieber aktiv werden.

In der Baden-Württemberg Studie nutzten zu Beginn ca. 13% der Kinder für mehr als eine Stunde pro Tag Bildschirmmedien (Fernsehen, Computer(spiele), Tablet, etc.).

Im Verlauf eines Schuljahres nahm in der Gruppe, die am Programm teilnahm, der Anteil der Kinder, die Bildschirmmedien für mehr als eine Stunde pro Tag nutzten, leicht ab. In der Gruppe der Kinder in Regelschulen nahm der Anteil leicht zu.

Diese Unterschiede zeigten sich insbesondere bei Mädchen und Kindern, mit Eltern ohne Hochschulabschluss – diese konnten besonders von dem Programm profitieren.

 

 

Abbildung 6: Anteil der Kinder, die täglich mehr als eine Stunde Bildschirmmedien nutzen (Elternangaben)

Abdominale Adipositas (bauchbezogene Fettleibigkeit)

Sowohl Ernährung, als auch Lebensstilfaktoren, wie Bildschirmmedienkonsum und Bewegung können einen Einfluss auf den Gewichtsstatus und die Körperzusammensetzung von Kindern haben (Olds et al., 2010). Abdominale Adipositas, die Ansammlung von Fett in der Bauchregion, ist ein Risikofaktor für verschiedene nichtübertragbare Krankheiten und ist bereits im Kindesalter zu beobachten.

Während eines Besuchs in den Schulen wurde die Körperzusammensetzung der Kinder objektiv erhoben – mittels Größe, Gewicht und Bauchumfang.

Zu Beginn der Studie waren 7,8% der Kinder abdominal adipös, nach einem Jahr waren es 9,2%. Dabei war die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung abdominaler Adipositas in der Gruppe, die am Programm teilnahm, weniger als halb so groß als in der Gruppe der Regelschulen.

D.h. Kinder, die an Komm mit in das gesunde Boot teilnahmen, hatten eine deutlich geringere Chance an abdominaler Adipositas zu erkranken, als die Kinder in den Regelschulen.

Abbildung 7: Inzidenz abdominaler Adipositas

 

Im Rahmen der Studie wurden verschiedene Gesundheits- und Verhaltensbereiche betrachtet und unterschiedliche Methoden angewandt. Bei den Untersuchungen war an einem Vormittag ein Messteam der Universitätsklinik Ulm in der Schule und führte altersgerechte Tests und Befragungen mit den Kindern durch. Die Eltern der Kinder, die Lehrer/innen und die Schulleitung erhielten jeweils anschließend einen Fragebogen.

Dank der großen Teilnahmebereitschaft können nun valide Aussagen zu den unterschiedlichen Bereichen gemacht werden. So konnten einige positive Entwicklungen durch das Programm Komm mit in das gesunde Boot aufgezeigt werden.

Beispielsweise ist sichtbar, dass sich die Ausdauerleistungsfähigkeit der Kinder im Interventionsjahr deutlich verbesserte. Zudem gaben die Eltern einen leichten Rückgang des Bildschirmmedienkonsums vor allem bei Mädchen, ein verbessertes Frühstücksverhalten (weniger Kinder, die nicht frühstücken), vor allem bei den Zweitklässlern und eine Tendenz zu mehr körperlicher Aktivität, vor allem bei den Jungen an. Auch die Inzidenz der abdominalen Adipositas konnte in der Gruppe, die am Programm teilnahmen, reduziert werden. Die positiven Entwicklungen wie weniger gesüßte Getränke und ein bewegungsreicherer Schulweg zeigten sich auch in Klassen, die das Programm noch nicht durchführten.

An dieser Stelle bedanken wir uns noch einmal ganz herzlich bei allen Schulleitungen und Lehrer/innen der Schulen, Eltern und natürlich bei den teilnehmenden Kindern der Baden-Württemberg Studie. Vielen Dank!