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Gesundheitsverhalten der Kinder

Ein Schwerpunktthema im Programm ist die Förderung der körperlichen Aktivität. Als Richtlinie wird für Kinder ein Mindestmaß von täglich 60 Minuten Aktivität empfohlen, in denen sie zumindest zu schwitzen beginnen und/ oder außer Atem kommen. Knapp 30% der Kinder erreichen dieses Maß immerhin an über 3 Tagen in der Woche. Ca. 4% schaffen es tatsächlich jeden Tag in der Woche. Im Verlauf des Studienjahres konnte hier eine tendenzielle Steigerung in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Wartegruppe erzielt werden.

Diese Tendenz war bei den Jungen etwas deutlicher zu sehen als bei den Mädchen. Die Wartegruppe neigte hingegen eher zu einer gleichbleibenden Aktivität.

Prozentanteil der Kinder, die sich meh r als 3 Tage in der Woche über 60 Minuten ausreichend körperlich aktiv betätigen (nach Elternangaben).
Prozentanteil der Kinder, die sich mehr als 3 Tage in der Woche über 60 Minuten ausreichend körperlich aktiv betätigen (nac h Elternangaben); bei den Jungen (links) und bei den Mädchen (rechts).

Aktiver Schulweg?

Ähnlich sehen die Ergebnisse bei der Frage nach einem aktiven Schulweg aus („Kommt Ihr Kind zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Roller in die Schule?“). Zwei Drittel der Kinder tun dies an den meisten Tagen der Woche (mehr als 3 Tage pro Woche).

Im Verlauf des Studienjahres nahm der Anteil leicht zu, jedoch gleichermaßen in Interventions- als auch Wartegruppe,was möglicherweise am zunehmendem Alter und einem sichereren Zurechtkommen im Straßenverkehr liegt.

Prozentanteil der Kinder, die an minde stens 3 Tagen in der Woche zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Roller zur Schule kommen (Elternan gaben).

Bereich Ernährung

Des Weiteren wird im Gesunden Boot im Ernährungsbereich auf die Reduktion des Konsums zuckerhaltiger Getränke besonderen Wert gelegt.

Im Rahmen der Studie wurden daher zu beiden Messzeitpunkten die Eltern nach dem Trinkverhalten ihrer Kinder befragt. Knapp ein Viertel der Eltern gab bei der ersten Messung an, dass ihr Kind mehr als einmal wöchentlich gesüßte Getränke zu sich nimmt. Nach Durchführung der Intervention konnte eine leichte Reduktion in beiden Gruppen (Interventions- und Wartegruppe) festgestellt werden.

Die Eltern wurden auch nach dem Frühstücksverhalten ihrer Kinder gefragt. Vor der Intervention gingen knapp 12% der Kinder ohne Frühstück zur Schule.

Im Folgejahr sind die Zahlen ähnlich. Statistisch signifikante Unterschiede zwischen Warte- und Interventionsgruppe lassen sich hier bei den älteren Schulkindern (Klassenstufe 2) finden: während der Anteil der „Nicht-Frühstücker“ in der Wartegruppe im Laufe eines Schuljahres zwischen Vor- und Nachuntersuchung zugenommen hat, ist er in der Interventionsgruppe gleichgeblieben, was im Hinblick auf ein gesundes Ernährungsverhalten als positiv zu werten ist. Bei den jüngeren Kindern (Klassenstufe 1) treten diese Unterschiede noch nicht zutage.

Prozentanteil der Kinder, die mehr als einmal wöchentlich zuckerhaltige Getränke zu sich nehmen (Elternangaben).
Prozentanteil der Kinder, die kein Frühstück vor der Schule zu sich nehmen (Elternangaben).
Prozentanteil der Kinder, die kein Frühstück vor der Schule zu sich nehmen (Elternangaben), in der Eingangs-Klassenstufe 1 (links) und 2 (rechts).

Bereich Freizeitgestaltung

Der dritte Schwerpunktbereich des Programms umfasst eine aktive Freizeitgestaltung und damit die Reduktion des Medienkonsums. Ca. 13% der Kinder sahen nach Elternangaben zum ersten Messzeitpunkt pro Tag mehr als 1 Stunde fern.

Im Verlauf eines Schuljahres nahm in der Interventionsgruppe dieser Anteil leicht ab, während in der Wartegruppe der Anteil leicht zunahm. Diese Unterschiede zeigten sich insbesondere bei den Mädchen und konnten hier auch statistisch bestätigt werden. Da der Fernsehkonsum mit dem Alter in der Regel ansteigt, scheint die Intervention dieser Entwicklung entgegengewirkt zu haben.

Prozentanteil der Kinder, die täglich mehr als 1 Stunde fernsehen (Elternangaben).
Prozentanteil der Kinder, die täglich mehr als 1 Stunde fernsehen (Elternangaben); bei den Jungen (links) und bei den Mädchen (rechts).

Körperliche Fitness der Kinder

Ausdauerleistungsfähigkeit Bei der „Fitnessolympiade“ wurde unter anderem die Ausdauer-leistungsfähigkeit im 6-Minuten-Lauf erfasst. Diese wird als ein deutlicher Marker für die globale körperliche Leistungsfähigkeit angesehen. Als Vergleichsmaß zwischen der Interventions- und der Wartegruppe diente die Differenz zwischen der Leistung im Herbst 2011 und der Leistung im Herbst 2010, d.h. um wie viele Meter weiter die Kinder nach einem Studienjahr gelaufen sind.


Dies wird in beiden Klassenstufen signifikant, wobei der Zuwachs bei Klasse 1 nochmals stärker ausfiel als bei Klasse 2.

Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit von 2010 bis 2011 in Metern (6 - Minuten - Lauf); für die Gesamtgruppe sowie getrennt die Eing angs-Klassenstufen 1 bzw. 2.

Körpergewicht

Bei der Entwicklung des Körpergewichts konnte zwischen der Interventions- und der Wartegruppe kein Unterschied festgestellt werden.

Während die Wartegruppe bereits bei der Ausgangsmessung eine geringere Anzahl übergewichtiger und adipöser (=extrem übergewichtiger) Kinder aufwies, ist die Entwicklung zwischen Ausgangs- und Folgeerhebung bei beiden Gruppen gleich: In beiden Gruppen gab es naturgemäß eine leichte Zunahme der Übergewichts- bzw. Adipositasrate.

Häufigkeiten von Untergewicht, Normalgewicht, Überg ewicht und Adipositas vor und nach einem Studienjahr.

Fazit

Bei dem Gesundheitsförderprogramm Komm mit in das gesunde Boot handelt es sich um einen niedrigschwelligen Ansatz, der mit klaren, gut verständlichen Botschaften und ohne zusätzliches Fachpersonal bzw. ohne zusätzliche Unterrichtszeit gesundheitsbezogene Inhalte in den Erziehungs- und Schulalltag integriert.

In einer wissenschaftlichen Studie (Baden-Württemberg Studie) wurden die Auswirkungen des Programms auf verschiedene Gesundheitsbereiche untersucht. Veränderungen im Gesundheitsverhalten der Kinder (Bewegungsverhalten, Ernährungsverhalten, Freizeit-verhalten) wurden über die Eltern erfragt.

Knapp über 80% der Eltern, die an der Studie teilnahmen, gaben hierüber per Fragebogen Auskunft. Die Eltern gaben einen leichten Rückgang des Fernsehkonsums vor allem bei den Mädchen, ein verbessertes Frühstücksverhalten (weniger Kinder, die nicht frühstücken) vor allem bei den Zweitklässlern und eine Tendenz zu mehr körperlicher Aktivität vor allem bei den Jungen an.

Weitere positive Entwicklungen wie weniger gesüßte Getränke und ein bewegungsreicherer Schulweg zeigten sich auch in Klassen, die das Programm noch nicht durchführten. Die Häufigkeit von Übergewicht unterschied sich nach einem Jahr nicht von der Wartegruppe, dagegen wurde die Ausdauerleistungsfähigkeit gesteigert.

Die oftmals auch positiven Veränderungen in der Wartegruppe sind vermutlich teilweise auf die Vielzahl weiterer Programme zur Gesundheitsförderung, die in vielen Klassen parallel durchgeführt wurden, zurückzuführen und ein zunehmendes Bewusstsein für die Thematik deutlich machen.

Ein Umdenken auf gesellschaftlicher Ebene sowie Einstellungs- und Verhaltensänderungen auf individueller Ebene sind die ersten Schritte, damit auf lange Sicht auch positive körperliche Veränderungen sichtbar werden. Zu berücksichtigen gilt, dass die Datenauswertung ein laufender Prozess ist und geringfügige Abweichungen bis zur Fachpublikation möglich sind.